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Die Befragung

Befragung

Zentrales Instrument einer Analyse ist die Befragung. Sie umfasst je nach Analysethema ca. 100 Aussagen, die auf einer 5-stufigen Skala bewertet werden — von “trifft überhaupt nicht zu” bis “trifft voll zu”. Jede Angabe ist freiwillig, die Teilnahme anonym. Die Befragung dauert im Durchschnitt weniger als 10 Minuten.

Die meisten Aussagen in der Befragung sind indirekt formuliert. Das klingt nach Umweg, ist aber der direktere Weg zur Wahrheit.

Wer direkt nach einer Eigenschaft gefragt wird, neigt dazu, die Antwort zu geben, die richtig klingt — nicht die, die seiner tatsächlichen Erfahrung entspricht. Soziologische Befragungen sind kein Test. Es gibt keine richtigen und keine falschen Antworten. Aber wir sind alle nur Menschen, und wir haben die Tendenz, Erwartungen gerecht werden zu wollen, auch wenn niemand das von uns verlangt.

Ein Beispiel: Um das Sicherheitsbedürfnis in einem Team zu messen, fragen wir nicht “Wie hoch ist Ihr Sicherheitsbedürfnis?” Einige würden offen antworten. Andere würden “niedrig” antworten, weil das couragiert klingt. Noch andere würden “hoch” antworten, weil das verantwortungsbewusst klingt. Stattdessen bewerten Teilnehmende Aussagen wie “Wo ich arbeite, sind Abwechslung und Abenteuer eher unwichtig.” Diese Aussage korreliert zu 91 % mit einem Sicherheitsbedürfnis. Drei solcher Aussagen kombiniert ergeben eine deutlich verlässlichere Messung — und machen es schwerer, unbewusst das zu sagen, was man für die erwartete Antwort hält.

Die Anonymität der Befragung ist aus drei Gründen gewährleistet.

Technisch wird die IP-Adresse der Teilnehmenden nicht gespeichert. In Firmennetzen teilen sich ohnehin viele Personen dieselbe Adresse. Die Befragung setzt keine Cookies und hinterlässt keine Spuren auf dem Gerät.

Methodisch interessieren uns Gruppenmerkmale, nicht individuelle Haltungen. Für eine belastbare Messung brauchen wir den Input von mindestens fünf Personen — einzelnen Antworten nachzuspüren liegt schlicht außerhalb unseres Interesses und unserer Methodik.

Statistisch gibt es eine Einschränkung: Wenn demografische Filter auf eine einzige Person zutreffen — z. B. “weiblich, über 70, promoviert” — ließe sich theoretisch auf eine bestimmte Person schließen. In solchen Fällen gilt berufliche Ethik: Anfragen nach individuellen Antworten werden grundsätzlich abgelehnt. Wer weiß, dass er “biografisch einzigartig” ist, kann einzelne demografische Fragen einfach überspringen.

Mehrfachteilnahmen werden automatisch erkannt und herausgefiltert. Eine gezielte Verschiebung der Ergebnisse ist praktisch nicht möglich: Da die Messpunkte indirekte Aussagen nutzen, müsste jemand jede Aussage einer bestimmten wissenschaftlichen Studie und Formel zuordnen können, um das Ergebnis auch nur minimal zu verschieben. Es bräuchte einen gewieften, erfahrenen Soziologen — und selbst dann bliebe es schwierig.